Samstag, 18. November 2017

|Theorieprüfung- Erfahrungsbericht|


Liebes Zukufts-Ich! Liebe Leser!


Die Theorieprüfung liegt hinter mir- endlich! Aber am besten alles von Anfang an: Anfang Juli (oder war es Ende Juni?) habe ich mich bei einer Fahrschule angemeldet, um meinen Autoführerschein zu machen. Einen Motorradführerschein oder ähnliches besitze ich nicht und will ich auch nicht besitzen- die Dinger sind mir einfach zu gefährlich und zu schnell. Bevor es in den mehrwöchigen Sommerurlaub ging, besuchte ich etwa noch vier Theoriestunden. Ich bin mir nicht sicher, ob es in ganz Deutschland so geregelt ist, dass man parallel zu den Theoriestunden noch eine App ''absolvieren'' muss, um zur Theorieprüfung zugelassen zu werden oder nicht, doch bei mir war dies jedenfalls der Fall. Die App umfasste bzw umfasst 1077 Fragen, jede einzelne musste man zweimal richtig beantworten um die sogenannte ''Prüfungsreife'' für diese eine Frage zu erhalten- und das bei 1077 Fragen! Während der Sommerferien arbeitete ich also fleißig an meiner App und schaffte es beinahe sie komplett ''zu absolvieren''. Zu Hause ging es dann etwas holpriger zu, da wenig Zeit da war, doch im Endeffekt schaffte ich es auch die drei verpflichtenden ''Vorprüfungen'' mit unter 10 Fehlerpunkten zu meistern. Das blöde hierbei war das man die Vorprüfungen dreimal hintereinander erfolgreich absolvieren musste- ein Fehltritt und man darf wieder von vorne Anfangen. Das war zwar blöd, doch im Endeffekt habe ich mir dadurch die Fragen viel besser merken können. 

Es war Montag, der 6. November dieses Jahres, als ich mit meinem Handy in der Tasche stolz zur Fahrschule stolzierte und meinte:,,Ich habe 100% Prüfungsreife in der App.'' Meine vierzehn Theoriestunden habe ich bereits Anfang Oktober durch gehabt. Die Sekretärin schaute mich erstaunt an und forderte mich dazu auf ihr mein Handy zu zeigen, da sie selbst am Computer nicht sehen konnte, dass ich tatsächlich 100% der Fragen richtig beantwortet hatte. ,,Na klar'', meinte ich, zog mein Handy aus der Tasche, tippte meinen Pinn ein und öffnete die App. Fahrschulcard. Sie lud und lud. Was war denn das? 78% das kann doch nicht sein, dachte ich, ich war mir zu hundert Prozent sicher, hundert Prozent zu haben. ,,Einen Moment bitte'', schluckte ich und lief rot an. Mein in dem Moment größtes Problem war, dass ich kein Internet hatte und wieder nach Hause laufen müsste, um die App zu aktualisieren, weil ich sie zuletzt auf dem Tablett benutzt hatte und mein Handy deshalb nicht auf dem neusten Stand war. Und ich hatte einfach keine Lust wieder zurück laufen zu müssen! Endlich: 100%. Ich zeigte der Sekretärin mein Handy mit der dicken, grasgrünen Aufschrift ''100%'' und ließ mir für 20€ eine Zulassung zur Theorieprüfung aushändigen. ,,Der TÜV macht jeden Dienstag Theorieprüfungen'', sagte sie mir als ich bereits in der Türschwelle stand, ich solle nicht zu lange warten. Morgen war Dienstag- nein morgen würde ich auf keinen Fall zur Theorieprüfung gehen, da könnte ich mir direkt ein ''Nicht bestanden!'' auf die Stirn tätowieren lassen. Ich nahm mir vor am nächsten Dienstag zum TÜV zu gehen und natürlich am Wochendende fleißig zu lernen. 

Ob ich fleißig gelernt habe, das ist relativ. Es steht jedoch fest, dass in meinem Kalender für Dienstag, den 14 November ein fettes, rot umrandetes ''Theorieprüfung'' eingetragen war. Meine Mutter machte sich lustig darüber. Vergangenen Dienstag dann also, nahm ich am Nachmittag noch relativ gelassen den Bus und fuhr Richtung TÜV. Im Hinterkopf hatte ich die von Freunden zugesprochenen Mut-Mach-Sprüche wie, ''du schaffst das!'', oder ''selbst wenn du nicht bestehst, dann ist das nicht schlimm!'' Doch als ich aus dem Bus ausstieg viel mir noch eine Frage ein, auf die ich die Antwort nicht mehr wusste. Ich hatte sie vergessen. Die Antwort stand auf meinem extra angefertigtem Lernzettel- und wo war mein Lernzettel? Er lag wohlbehütet auf dem Couchtisch und chillte vor sich hin. Toll. Der hat mir ja viel gebracht. In der Hoffnung diese Frage würde nicht drankommen, kam ich dem TÜV also immer näher. Und als ich die Treppen rauf lief, kam mir der Gedanke gleich würde etwas ganz Schlimmes passieren. Ich habe irgendwas vergessen. Ein Dokument, eine Frage, ich würde gleich wie ein Tollpatsch ins TÜV reinstolzieren und mich mal wieder so richtig schön blamieren. Ganz ruhig, sagte ich mir innerlich, wenn ich Ruhe bewahre, dann passiert mir auch nichts. Und plötzlich sah ich das TÜV vor mir stehen und nebenan stand über einer Reihe von Parkplätzen ''Fahrprüfungen'' und das brachte mich total durcheinander und die Angst kam mir wie durch die Adern geschossen. Ich maschierte also schnellen Schrittes ins TÜV. Einige Leute saßen, andere standen an eine Wand angelehnt und starrten in ihre Handys. Auf einem Schild mit Pfeil stand: Führerschein. Ich folgte dem Pfeil und kam in einem weiteren Raum voll von Leuten getrottet. 

Wo war der Automat an dem man seine Nummer ziehen sollte? Ich sah mich hektisch um. Was die anderen in dem Moment von mir dachten, war mir zu diesem Zeitpunkt schnurzegal. Ich öffnete eine Tür und wurde von einer hinter einem Schreibtisch sitzenden Frau gebeten, erst wiederzukommen, wenn meine Nummer aufgerufen wird. Ich wollte sie doch nur um Hilfe bitten! Ein junger Mann, maximal 20 Jahre alt, deutete auf einen Kasten mit einem dicken Knopf, welcher meiner Meinung nach eher einem schäbigen Flaschenverschluss als einem Knopf ähnelte. Mir war nicht bewusst, dass dies der Automat zum Nummern ziehen war. Ich stand also vor dem Kasten und sah ihn und den jungen Mann verwirrt an. Er seufzte und drückte auf den Knopf. Ein kleiner, blauer Zettel kam hervor: 381. ,,Danke.'' Er lächelte. Im Moment war die Nummer 368 dran. Ich hatte also noch etwas Wartezeit vor mir und so nahm ich mir vor, mir einen Sitzplatz zu suchen. Zwischen dem jungen Mann und einer Frau war eine helle, hölzerne Fläche zu sehen. Eine freie Fläche. Ich beschloss sie zu meinem Sitzplatz zu machen. Etwas verdutzt sah mich die neben mir sitzende Frau an, als ich mich bereits bückte, um mich dort hinzusetzen. Alle anderen Sitzplätze waren dunkelblau gepolstert! Das wo ich mich drauf setzen wollte war ein Tisch! Wie peinlich. Und da das noch nicht genug war, trat ich dem jungen Mann, der mir zuvor geholfen hatte, beim Weggehen auf den Fuß. Ich entschuldigte mich, lief rot an und es kam mir so vor, als wären alle Blicke auf mich gerichtet. Aber so geht es wahrscheinlich jedem, dem etwas peinliches passiert. Oh welch Wunder! Neben der Tür war noch ein Sitz frei, ein dunkelblau, gepolsterter Sitz. Ohne länger darüber nachzudenken setzte ich mich hin. Ob ich dabei jemandem den Platz weggenommen habe, der kurz weggegangen ist- zum Beispiel zur Toilette- diese Frage wird wohl auf ewig eine Frage bleiben. 

Ich hatte also bereits einen Sitzplatz und saß da. Mein Herz bereits pochend und meine Hände wurden mit jeder Minute immer verschwitzter. Zwar hatte ich mir fest vorgenommen gehabt nicht aufgeregt zu sein, denn das bringt überhaupt nichts, doch ich konnte es  einfach nicht lassen. Es ging schlichtweg nicht! ,,Ich werde dann im Auto auf dich warten'', sagte die Frau, die neben dem jungen Mann  saß. Sie schien seine Mutter zu sein. Ich tippte unruhig in meinem Handy herum, übte die Fragen, machte Vorprüfungen, aber ich konnte mich nicht konzentrieren! Mein Herz raste. Wieder ertönte ein tiefes, gedämpftes Geräusch und eine neue Nummer erschien auf dem Bildschirm: 379. Der junge Mann sprang auf, er verschwand hinter der weißen Tür. Seine Mutter machte sich auf dem Weg zum Auto. Plötzlich wurde die Tür erneut von ihm aufgerissen, er rannte raus und rief:,,Mami! Mami!'' Er rief es durch den ganzen TÜV. ,,Mami!'' Und jedesmal Mami! Schließlich schien seine Mutter ihn gehört zu haben, denn es wurde still. Er hat so stark und kräftig ausgesehen und so erwachsen, ich hätte ihm das nicht zu getraut. Nicht in der Öffentlichkeit. Naja, es ist ja nichts schlimmes, jedem das Seine- es ist schön, dass er seine Mutter so lieb hat, aber ich war einfach sehr verwundert darüber und ich schien nicht die einzige gewesen zu sein, der diese Situation ein Schmunzeln aufs Gesicht zauberte, denn als ich mich umsah, so hatten alle um mich herum sitzenden Menschen ihre Augen von ihren Smartphones genommen und blickten zum jungen Mann auf, welcher nun mit seinem Personalausweis in der Hand erneut hinter der Tür verschwand. 

Allmählich kam die Zahl 381 immer näher. Ich legte mein Handy beiseite und sah mich um. Büffeln würde sowieso nichts mehr bringen, entweder ich kann es, oder eben nicht. Und das sollte sich zeigen, es sollte sich zeigen als schließlich die Nummer 381 in Begleitung mit einem tiefen Dong auf dem Bildschirm erschien. Ich sprang auf- ich sprang wirklich auf- nahm meine Tasche und hüpfte Richtung Tür. Die Frau, die mich zuvor rausgeschickt hatte, lächelte und fragte mich, ob ich denn mein Handy bereits komplett ausgeschaltet hätte. Das hatte ich nicht. ,,Das wäre aber besser'', meinte sie. Ich befolgte also ihren Rat und reichte ihr meinen Personalausweis. ,,Gehen Sie bitte zu meinem Kollegen.'' Ich nickte. Während der Kollege, ein weiterer Prüfer, meine Daten abglich, sah ich mich im Raum um: Etwa zehn, fünfzehn(ich bin nicht wirklich gut im Schätzen) Computer waren hier, vor jedem der Computer ein Prüfling. Vor dem ersten Computer von rechts saß der junge Mann, den ich bereits so gut kannte. Er schaute zu der Prüferin. ,,Schau dir deine Fehler an. Wir sehen uns dann in zwei Wochen wieder'', sagte sie zu ihm. Und er zuckte mit den Schultern, nahm seine Sachen und ging. Der Arme. Ich sah ihm nach. ,,Setzen Sie sich bitte an den ersten Computer'', sagte der Prüfer und gab mir meinen Personalausweis zurück, ,,es ist schon alles vorbereitet.'' Es war der selbe Computer an dem der junge Mann vorhin gesessen hatte. Und er hat die Prüfung nicht bestanden- ich bin ja in der Regel nicht abergläubisch, aber was ist, wenn es am Computer gelegen hat? Wenn dieser Computer Pech bringt? 

Ich zog meine Jacke aus, hing sie auf und machte mich an die Arbeit. Die Fragen waren genau die, die ich in der App bearbeitet und geübt hatte. Einige davon machten es mir zu schaffen: In welcher Entfernung muss man außerorts mit diesem Schild rechnen? 4 Fehlerpunkte möglich. Wie reagieren Sie in dieser Situation? 5 Fehlerpunkte möglich. Neben mich setzte sich eine Frau, die ich ebenfalls bereits aus dem Wartezimmer kannte. Sie kam nach mir, ging vor mir und bestand die Prüfung. Nun kam ich mir vor wie eine dumme Schnecke. Insgesamt waren es am Ende etwa neun Fragen bei denen ich mir unsicher war- würde man davon ausgehen alle wären falsch, so würde ich locker auf 14, wenn nicht 20 Fehlerpunkte kommen. Ich sah mir die Fragen noch einmal an. Zugegeben bei manchen musste ich raten, bei anderen habe ich versucht, mir den Sachzusammenhang logisch zu erklären. Jetzt oder nie! Ich drückte auf Abgabe. Und nur wenige Sekunden später bereute ich es: Was wenn ich wirklich nicht bestanden habe? Bitte warten Sie. Ihr Prüfer wird Sie gleich über Ihr Prüfergebnis informieren. Ich sah mich um: Drei Prüfer saßen da, sie amüsierten und unterhielten sich prächtig. Während ich die Fragen beantwortet hatte, habe ich parallel dazu mitbekommen, jemand hätte sein Handy während der Prüfung benutzt und würde jetzt mit einer Anzeige rechnen müssen. ,,Entschuldigung, bekomme ich mein Ergebnis?'', unterbrach ich sie. Sie sahen mich an, einer klickte auf eine Taste auf seinem Computer. ,,Knapp'', meinte er. Knapp! Knapp heißt, ich habe es also noch geschafft. Ich sah auf den Bildschirm, ich sah alles verschwommen, alles war grün, doch ich nahm es nicht wahr. ,,Grün ist grün'', scherzte der Prüfer. Ich sah genauer hin: Fehlerpunkte: 0. Was? Was heißt das? Ich wollte doch MEIN Ergebnis bekommen und nicht das eines anderen Prüflings. Fehlerpunkte: 0 und darüber MEIN Name. Das kann doch nicht sein, dachte ich und konnte meinen Augen kaum glauben. ,,Heißt das etwa, dass ICH 0 Fehlerpunkte habe?'' Die Prüfer lachten und gaben mir eine Prüfbescheinigung. ,,Herzlichen Glückwunsch.'' Ich? Ich habe 0 Fehlerpunkte? Ich hätte mit 9 gerechnet, mit 8, auch mit 10, aber doch nicht mit 0!? 

Und so kam es, dass ich völlig perplex aus dem TÜV spazierte und versuchte mir zu erklären, wie um alles in der Welt ich so ein Ergebnis erzielt habe. Nun habe ich die nervige Theorie schon hinter mir und kann mich voll und ganz auf's Fahren konzentieren. Ich freue mich schon!


Und da ich, bevor ich mit meinem Führerschein angefangen habe, selbst viel über die verschiedenen Preise  für die Führerschein Klasse B gegoogelt und in verschiedenen Foren nach Erfahrungen gefragt habe, hier eine kleine Auflistung was meine Theorie insgesamt gekostet hat, da dies für einige bestimmt sehr interessant sein könnte:


Das war es auch von mir. Ich hoffe, dass mein kleiner Erfahrungsbericht dem ein oder anderen vielleicht geholfen hat und wünsche allen noch einen schönen Tag!

Liebe Grüße,

Julia

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