Samstag, 28. April 2018

|Ma semaine à Paris| SCHÜLERAUSTAUSCH



Liebes Zukunfts-Ich, liebe Leser, 
etwa drei Wochen liegt mein Aufenthalt in Frankreich, genauer gesagt in Paris, nun zurück. Um all die Erinnerungen an diese schöne Zeit nicht zu vergessen, möchte ich sie heute mit der Außenwelt teilen. Viel Spaß beim Lesen!


Bevor ich an dem Austausch teilgenommen habe, war ich sage und schreibe bereits einmal in Frankreich gewesen. In Straßburg. Für etwa zwei Stunden, als wir vom Bodensee zurück nach Hause gefahren sind und einen Abstecher gemacht haben. Ich hatte demnach bereits ''viel'' Erfahrung mit der französischen Kultur. 

Meine größte Motivation am Austausch teilzunehmen war, meine Sprache zu verbessern (und nebenbei Paris zu sehen- dort entstehen immer so tolle Bilder!), doch ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken an ''Paris'' hatte ich schon. Vor meinem inneren Auge sah ich Schlagzeilen wie ''Charlie Hebdo''-''#prayforparis'' und stellte mir oftmals Fragen, die mit ''was wenn'' begannen. Was wenn ausgerechnet in dieser Woche wieder etwas passieren würde? Ausgerechnet dort, wo unsere Gruppe gerade wäre? Wenn ausgerechnet einer von uns betroffen wäre? Womöglich sogar ich? 
Auch meine Eltern waren sich unsicher, doch meine Lehrerin versicherte, seit den Anschlägen besonders vorsichtig zu sein und Menschenansammlungen zu meiden. Klar, hundertprozentige Sicherheit wird einem nie jemand gewähren können, doch sollte man wirklich das tuen, was die Terroristen mit ihren Anschlägen bezwecken wollen? Nämlich sich zu verstecken und Angst zu haben? Nein. Wir sind freie Menschen, wir sollten vorsichtig sein, doch wir sollten unser Leben nicht von Terroristen bestimmen lassen. Ich meldete mich am Austausch an. 

Etwa zwei Monate vor dem Austausch bekam ich den Steckbrief meiner Austauschschülerin überreicht. Sie hieß Esthel, lebte nur mit ihren Eltern zusammen und hatte viele Haustiere(einen Hund, fünf Katzen und ein Meerschweinchen). Anders als viele meiner Mitschüler, hatte ich das Glück und bereits im Vorfeld Kontakt mit Esthel. Wir schrieben über Instagram. Ich erinnere mich, dass ich während meiner Gemüse-Obst-Diät in der Fastenzeit oft Fotos mit dem  Hashtag ''vegan'' postete. Nach einiger Zeit fragte mich Esthel, ob ich denn wirklich vegan leben würde. Das hätte schließlich Folgen für meinen Aufenthalt in der Gastfamilie- ich könnte dann nicht einfach alles essen und die Gastmutter müsste wahrscheinlich für mich extra kochen. Ich verneinte Esthels Frage und es schien, als würde sie sich darüber freuen. 



Am Montag, den 9. April ging es endlich los. Wir ''Deutschen'' trafen uns am Hauptbahnhof, wo wir aufgrund eines Streiks lange auf unsere Lehrerin warten mussten. Zum Glück hatten wir einen Zeitpuffer, so dass wir noch pünktlich in den Thales steigen konnten. Bereits am Bahnhof dachte ich, dass ich bald über die Zeit in Paris schreiben würde, dass es bald vorbei sei und dass ich schon bald zurückfahren würde. Ich musste die Zeit in Frankreich also genießen! Leider Gottes waren meine Kopfhörer am Tag vor der Abreise kaputt gegangen, weshalb ich während der Fahrt keine Musik hören konnte. Vor lauter Angst total gelangweilt im Zug rumzusitzen, hatte ich mir die Schachnovelle eingepackt und las auf der Hinfahrt beinahe das halbe Buch- was hätte ich sonst tun können? Erstaunlicherweise waren wir bereits nach nur drei Stunden in Paris am Gare du Nord angekommen. Es regnete.


Kaum stiegen wir aus dem Zug, hatte ich das Gefühl, auf bedrohtem Boden zu sein, in einer Kriegsregion. Auf dem Weg zu der Partnerschule, wo unsere Gastfamilien uns abholen sollten, musterte ich die Menschen genau. Der RER streikte und fuhr nur einmal in der Stunde. Dementsprechend voll war er, als er schließlich ankam. Dass Menschen sich allein durch ihre Anwesenheit gegenseitig umbringen können, nämlich wenn viele Menschen auf sehr kleinem Raum zusammen sind, wurde mir erst da richtig bewusst, als ich in den ohnehin schon überfüllten Zug einsteigen sollte. Wenn sich jemand also einsam fühlt, oder einfach nur nach Körperkontakt sehnt, soll er doch bitte während der Rushhour mit der Metro, oder dem RER in Paris fahren. Körperkontakt ist vorprogrammiert, ich garantiere es. 


Völlig durchnässt kamen wir schließlich in der Schule an. Und dort sah ich Esthel zum ersten mal wirklich. Wie als hätte ich die lockeren Unterhaltungen, die wir zuvor über Instagram geführt haben, vergessen, wusste ich zunächst nicht wirklich was ich sagen sollte und brachte ein nervöses ''Bon Jour!'' hervor. Es ist eben etwas komplett anderes miteinander zu schreiben, als miteinander zu reden und sich wirklich zu sehen. Aber ich war froh, keinen Jungen als Austauschpartner zu haben. Das machte mir Mut, immerhin hätte es noch schlimmer kommen können. Ich erinnerte mich zudem an den Polenaustausch, an dem ich einst auch teilgenommen habe. Am Anfang hatte ich auch solche Angst vor der Begegnung mit meiner Austauschschülerin gehabt und dann wurden meine Austauschschülerin und ich gute Freundinnen. Um es kurz zufassen: Meine Angst war völlig unbegründet, doch es liegt in der Natur des Menschen, dass er sich vor Unbekanntem distanziert und fürchtet. 

Mein Gastvater holte uns ab und stellte sich mir vor. Ich konzentrierte all meine bisher gesammelten französisch Kenntnisse und stellte mich ebenfalls vor. Erstaunlicherweise, klappte das Sprechen während der Fahrt immer besser und ich bekam das Kompliment ich spreche sehr gut Französisch(womöglich wollte man aber nur nett sein). 
Zuhause begegnete ich meiner Gastmutter, die sehr sprachtalentiert zu sein schien, da sie neben Französisch noch fließend Deutsch, Englisch und Spanisch sprach. Ich bekam ein eigenes Zimmer und man zeigte mir anschließend das Haus. Um 19 Uhr dann, nachdem ich bereits meine Sachen ausgepackt, zu Hause angerufen und die Gastgeschenke (ein deutsches Brot, Schokolade und Katzenleckerlis) überreicht habe, saß ich auf meinem Zimmer rum und stellte mir verzweifelt die Frage ''Was mache ich jetzt?''. Esthel hatte viele Hausaufgaben auf und so aß ich vor lauter Langeweile meinen Proviant zu ende und fasste schließlich den Entschluss, bereits um 19 Uhr duschen zu gehen. Vom Abendessen hat niemand gesprochen und es kam mir unhöflich vor zu fragen, wann es denn Abendessen gäbe. Also akzeptierte ich die Tatsache heute ''hungrig'' ins Bett gehen zu müssen. Frisch aus dem Bad und im Pyjama begegnete ich der Gastmutter und wünschte ihr eine ''bon nuit!'' Sie sah mich verdattert an und lachte. Dann erklärte sie mir, dass es doch noch Abendessen geben würde. Und im gleichen Moment hörte ich meine Lehrerin sagen ''(...) und vergesst nicht: Franzosen essen spät und viel(...)'' Ja, eindeutig, sie hatte Recht. 
Es gab eine Art Kartoffelpüree-Hackfleisch-Auflauf, wie ich ihn aus meinem Praktikum im Kindergarten kannte, dazu aßen wir mein Gastgeschenk, das deutsche(!) Brot und zum Nachtisch konnte ich zwischen Obst, Eis und Mus entscheiden. Ich entschied mich für einen Apfelmus. 

Geschlafen hatte ich in der ersten Nacht hervorragend. Mein Bett glich einer kleineren Version eines Ehebettes (ich schätzte seine Breite auf 1,60 Meter) und war sehr bequem. Leider sah der Himmel am Morgen nicht ganz so aus, wie ich ihn mir vorstellte. Er war bewölkt und es nieselte. Dabei sollten wir an diesem Tag doch den Eiffelturm besichtigen! Nachdem ich mich fertig gemacht hatte, gab es Frühstück. Beim Frühstück fühlte ich mich wie ein richtiger Vielfraß. Während Esthel nur eine Madeleine aß, die sie in ihren Kaffee tunkte und danach scheinbar satt war, aß ich eine Madeleine, einen Schokokeks und zwei Scheiben Briosch, die ich jeweils mit Erdbeer und Kiwi Marmelade beschmierte und mich nebenbei wunderte, weshalb ich nur eine halbe Tasse Kaffee bekommen habe. Aber womöglich ist das eine französische Tradition. 



 


Esthel musste leider in den Unterricht und so fuhr unsere Gruppe aus Deutschland mit unseren beiden Lehrerinnen am Dienstag in Paris Innenstadt zum Eiffelturm. Als wir ein Gruppenbild vor dem Eiffelturm machen wollten, hielt unsere Lehrerin Ausschau nach jemanden, den sie darum bitten könnte ein Foto von uns allen zumachen, der aber nicht gleich mit ihrem Handy davon rennen würde. Sie entschied sich für einen asiatischen Touristen. Asiaten sind doch so reich, denen ist mein Handy schnuppe, musste sie sich gedacht haben. Und tatsächlich, so richtig interessiert war der asiatische Tourist nicht wirklich an ihrem Handy, viel mehr jedoch an uns. Für seine Mitreisenden und ihn schienen wir deutschen Touristen eine Sensation gewesen zusein. Sie sprangen mit ins Foto, machten Selfies mit uns und freuten sich wie Bolle. 
Danach ging es nach zwei Taschenkontrollen rauf auf den Eiffelturm. Und bereits da merkte ich, dass meine panische Angst vor Frankreich und explizit vor Paris zwar nicht unbegründet, aber auf jeden Fall übertrieben war. Meine zweite Erkenntis war: Ich werde nie im Leben Fallschirmspringen! Ich glaube, dass ich während ich den Eiffelturm bestieg, sein Geländer mit meinem Schweiß grundgereinigt und ordentlich poliert habe. Paradoxerweise schwand meine Höhenangst jedoch, je höher wir waren. Möglicherweise lag das jedoch daran, dass wir später mit dem Aufzug gefahren sind und ich somit nicht mehr andauernd hinab sehen konnte.
Die Aussicht war wunderschön und wir hatten das große Glück, dass die Wolken sich aufgelockert und von Zeit zu Zeit ein paar Sonnenstrahlen hindurchgelassen haben.





Danach ging es über eine Brücke über der Seine zu den Champs Elysees. Meine weitere Erkenntnis: Ampeln sind in Paris völlig überflüssig. Ist kein Auto in Sicht, heißt es für Fußgänger: Einfach rüber! Auf der Champs Elysees gab es viele interessante Läden, doch die meisten davon gibt es, wenn auch in kleinerer Ausführung, bei uns in Deutschland, weshalb meine gesamte ''Shoppingausbeute'' lediglich aus zwei Postkarten bestand. 








Für Mittwoch kündigten sich sommerliche Temperaturen an. Wir besuchten das Louvre und mussten darin vier Gemälde finden, vor denen wir mit unseren Gruppen ein Selfie machen sollten. Eines dieser Gemälde war selbstverständlich die Mona Lisa. Naja, ich habe schon schönere Gemälde gesehen, aber nun kann ich zumindest sagen, sie bereits ''live'' gesehen zu haben. Wer ein Kunstliebhaber ist, der wird sich im Louvre wie im Paradies fühlen, für mich führte diese Überzahl an Gemälden jedoch dazu, dass ich die einzelnen Kunstwerke gar nicht wertschätzen, noch bewundern konnte. Das einzige was ich mitnahm, war eine fette Blase am kleinen Zeh- die Gänge dort waren einfach irrsinnig lang. 







Nachdem wir das Louvre besucht hatten, machten wir noch einen kleinen Abstecher zu Ils Saint Louis und besuchten die Notre Dame. In Ils Saint Louis, dem ältesten und ursprünglichen Teil Paris', aßen wir teures Eis (eine Kugel für 3€ (!)) und waren uns einig, dass Ils Saint Louis genauso war, wie wir uns Paris vorstellten: Kleine Cafes, Straßenmusik, Sonnenschein und gut gelaunte Kellner. So machte Frankreich gleich noch viel mehr Spaß! 






Am Donnerstag machten wir endlich zusammen mit unseren Austauschschülern einen Ausflug. Wir besuchten das Schloss von Versailles. Die Zugfahrt dahin dauerte eine Weile und ich humpelte von Tag zu Tag immer mehr, aber das habe ich bereits auf jeder Klassenfahrt getan. Es scheint, als sei dies eine Tradition geworden und Traditionen muss man ja bekanntlich pflegen. 
Der liebe Ludwig war wirklich ein sehr bescheidener König gewesen und wollte diese Bescheidenheit mit seinem Schlößlein und dem dazugehörigen Pärkchen wahrscheinlich zum Ausdruck bringen. Nicht. Um ehrlich zu sein, ich wundere mich nicht, dass das Volk sauer war. 





Am Freitag stand Montmartre, darunter auch der Besuch des Sacre-Coer auf dem Programm. Im Vorfeld erzählte mir meine Nachbarin, dies sei ihr Lieblings Ort in Paris. Mit hoher Erwartung stiegen wir in Montmartre also aus der Metro und das erste was wir sahen, war das Moulin-Rouge und noch viele andere ''interessante'' Gebäude. Am liebsten wäre ich wieder in die Metro gestiegen und wieder zurück gefahren. Wieso sieht es in den Rotlichtvierteln bloß immer so dreckig und schäbig aus?- Ich glaube, diese Frage erklärt sich von selbst. Unsere Lehrerin zeigte uns das Cafe, in dem die ''Amelie'' aus dem Film ''die fabelhafte Welt der Amelie'' gearbeitet hatte. Danach ging es auf zum Sacre-Coer. Eine wunderschöne Basilika, die mich ein wenig an den Taj Machal in Indien erinnerte. 



 


Nach dem Besuch des Sacre-Cour besuchten wir eine kleine, süße, altfranzösische Einkaufsstraße, kauften dort Postkarten und bekamen von unserer Lehrerin Crêpes  gekauft. Anschließend machten wir uns auf die Suche nach dem Hard-Rock-Cafe, bekamen eine halbe Stunde Zeit dort einzukaufen und gingen dann zur Galarie-Lafayette, wo wir außer ein paar Macarons nichts weiter kauften- denn leider hat noch niemand von uns im Lotto gewonnen. 


Am gleichen Tag bekam ich Besuch. Meine Mitschülerin Luisa zog bei mir, nein eigentlich bei meiner Gastfamilie, ein, da ihre Gastfamilie in Urlaub flog und sie nun eine Unterkunft brauchte. Obwohl sie ein eigenes Zimmer bekommen hätte, beschlossen wir, uns mein Zimmer zu teilen, damit wir uns nicht allzu sehr langweilten und schauten abends ein paar Folgen ''Verstehen Sie Spaß'', da wir, wie sich herausstellte, beide große Fans dieser Sendung waren. 





Den Samstag verbrachten wir mit den Gastfamilien. Am Morgen gingen Esthel, Luisa und ich, zusammen mit Esthels Freundin und ihrer Austauschpartnerin  ins französische Kino und schauten den Film ''Ready player one''. Zwar hat mich der Film nicht wirklich begeistert, da ich kein allzu großer Sciencefiction-Fan bin, aber zumindest habe ich das Meiste verstanden, was mir versicherte, dass meine französisch Kenntnisse gar nicht so schlecht zu sein scheinen, wie ich immer vermutete. Nachdem wir aus dem Kino zurückgekommen und zu Mittag gegessen hatten, fuhren wir mit dem Auto Richtung Innenstadt, da ich unglaublich gerne das Princess-Diana-Memorial sehen wollte und es am Dienstag, als wir beinahe daran vorbeigelaufen sind, einfach vergessen habe. Einen Tag zuvor hatte ich beim Esstisch erwähnt, ich würde es gerne sehen, woraufhin meine Gastmutter mir versprach am Samstag hin zu fahren und mich fragte, ob ich dort denn eine Kerze anzünden wollte. Sie bat mir ebenfalls an, zu ihrer Floristin zu gehen und einen Blumenkranz zu kaufen, was sehr nett von ihr war, doch ich wollte es nicht übertreiben. Esthel, Luisa und ich hatten also jeweils ein Teelicht mit Mango-Duft, das wir am Diana-Memorial, direkt über dem Tunnel, in dem sich zwanzig Jahre zuvor der Unfall ereignet hatte, abstellten. Es war ein komisches Gefühl, als wir durch den Tunnel fuhren (der eher einer Unterführung, statt eines Tunnels glich). Vor zwanzig Jahren ist Diana hier lang gefahren und tödlich verunglückt. 



Am Abend organisierten die Franzosen eine Art Abschiedsfeier. Es gab viel leckeres Essen, leider nicht ausreichend Sitzplätze, doch im Endeffekt kann ich sagen, dass es trotzdem ein schöner Abend gewesen ist. 




Am Sonntag hieß es ''Au revoir!'' sagen. Ich aß zum letzten Mal das süße, typisch französische Frühstück und verabschiedete mich  am Bahnhof schließlich von meiner Gastfamilie und von Esthel. Obwohl die Zeit in Frankreich sehr schön gewesen war, waren wir doch alle froh, endlich nach Hause zu fahren. Denn erst, wenn man fort gewesen ist, lernt man sein zu Hause zu schätzen. 



Merci pour une semaine très belle, Paris!






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