Donnerstag, 7. Juni 2018

|Kellnern als Nebenjob- Erfahrungsbericht|



Hallo zusammen!

Nun ist es bereits mehr als ein halbes Jahr her, dass ich in meiner Freizeit als Kellnerin gejobbt habe- die gesammelten Erfahrungen möchte ich heute gerne mit euch teilen, da ich in meinem Freundeskreis in letzter Zeit vermehrt mitbekommen habe, dass viele auf der Suche nach einem Nebenjob sind, sich aber noch nicht ganz sicher sind, was denn das richtige für sie wäre. Es folgen meine Eindrücke vom Arbeitsleben als Kellner, viel Spaß!

Meine ''Kellner-Karriere'' dauerte rund ein halbes Jahr an und begann Ende März 2017. Ursprünglich hatte ich geplant, in einer Bäckerei Brötchen zu verkaufen, doch leider waren alle Stellen belegt. Also entschied ich mich in den Restaurants der Umgebung nachzufragen und wurde nach kurzem Hin und Her fündig. Bisschen Teller abräumen und die Gäste nach ihrer Bestellung fragen- das ist doch wohl ein Kinderspiel, dachte ich. 
An meinem Probetag führte mich eine nette Kellnerin umher und zeigte mir das Restaurant- sie kellnerte nebenberuflich. An diesem Tag war Brunch, was bedeutete, dass ich nichts weiter zu tun hatte, als von Zeit zu Zeit das Buffet aufzufüllen. Als ich dann gefragt wurde, ob ich denn in diesem Restaurant arbeiten wollte, bejahte ich und wir machten Termine für den nächsten Monat aus. Immer Sonntags von 11 bis 17 Uhr. ,,Ah, Sonntags hab ich doch eh nichts zu tun. Wird schon nicht so schlimm werden.'' 
Ich bekam eine kurze Anweisung über die Kleiderordnung, gab mein Gesundheitszeugnis ab und bekam eine kurze Einführung über den Umgang mit Gästen. Dann wurde mir eine Schürze in die Hand gedrückt, ein Block und ein Stift gegeben und los ging's! Zunächst lief ich bei erfahrenen Kellnern mit, doch nach und nach wurde das immer weniger und ich war auf mich allein gestellt- für mich im ersten Moment kein Problem. 

Neben der Speisekarte sollte ich auch über die Nummerierung der Tische einen groben Überblick haben. Während letzteres nach einiger Zeit gut klappte, haperte es mit der Speisekarte. Ich fragte Gäste mehrmals nach ihrer Bestellung, notierte diese manchmal so merkwürdig, dass der Koch mich fragen musste, was denn das bedeuten sollte. Auch war ich nicht die Begabteste, wenn es um das Tragen von Tellern ging und so kam es nicht selten vor, dass ich mit nur einem Teller durch die Gegend eilte- mehr waren mir einfach zu schwer. Ähnlich erging es den Getränken- nur waren diese nicht schwer, sondern drohten bei jedem meiner Schritte von dem Tablett zu fallen, so dass ich dieses mit beiden Händen fest umklammern musste, was- wie man sich unschwer vorstellen kann-nun wirklich nicht sonderlich professional ausgesehen haben muss. Es schien als hätten meine Arbeitskollegen nach und nach die Hoffnung in mich verloren. Während es anfangs noch ,,Das wird schon mit der Zeit!'', hieß, waren es nun bemitleidende, oder genervte Blicke mit einem Hauch von Akzeptanz.
Der Umgang miteinander war ruppig und es wurden oft zynische Witze gemacht, die jedoch nicht persönlich genommen werden durften, wie mir der Koch erzählte. Allgemein merkte ich nach und nach, wie sensibel ich im Verhältnis zu meinen Arbeitskollegen doch war, weil ich über diese Witze nicht lachen konnte und mich in dem Arbeitsklima unwohl fühlte. 

Einmal vergaß ich die Bestellung einer älteren Dame. Dies war mein erster, großer Faux-Pas. Ich erinnere mich noch, wie ich ihre Bestellung notierte- es war ein Düsseldorfer Senfrostschnitzel- und in aller Eile vergaß, diese in den Computer einzugeben, so dass der Koch die Anweisung zum Kochen nicht erhielt. Nach gut mehr als einer halben Stunde, fragte mich eine Kellnerin, ob ich denn eine Bestellung aufgenommen hätte. Ich verneinte, da ich zu sehr mit dem Austragen der Gerichte und Getränke beschäftigt war. Dann nahm ich meinen Notizblock in die Hand und sah die Bestellung. In diesem Moment wusste ich einfach nicht was ich machen sollte, die Dame hatte bereits ein Drama gemacht. Ich beichtete der anderen Kellnerin, dass ich sie vergessen hatte und so bekam die Frau erst nach einer Stunde ihre Bestellung von mir überreicht. Ich entschuldigte mich und bekam noch einiges von ihr zu hören- nachvollziehbar. 

Ein anderes Mal, ist, man könnte sagen mein schlimmster Albtraum, in Erfüllung gegangen. Die Bestellung lautete ''alkoholfreies Weizenbier''. Wie ich dieses Bier hasse! Es ist so groß und einfach unberechenbar. Und da die Fingerabdrücke des Kellners nicht auf dem Glas des Gastes zu sehen sein sollen, musste ich dieses eine Weizenbier auf ein Tablett stellen. Der Gast saß draußen im Biergarten. Man kann es sich schon denken, was gleich kommt. Um in den Biergarten zu gelangen, musste man zwei Treppenstufen überwinden. Ich- die ohnehin keine Begabung was das Tragen von Tabletts besitzt- stellte also das bescheuerte, alkoholfreie Weizenbier auf das Tablett und marschierte Richtung Biergarten. Und nachdem ich die Treppe runtergelaufen war und in die Kurve einbiegen wollte, passierte es: Das Weizenbier fiel vom Tablett und lief mir komplett über die Beine. Zu dieser Zeit saßen nur noch wenige Gäste im Biergarten, doch zum Glück bemerkte nur ein Pärchen mein Missgeschick und lächelte mir mit den Worten ''Hoppala'', aufmunternd zu. Gott sei Dank haben sie mich nicht bemitleidet, denn dann wäre ich wahrscheinlich in Tränen ausgebrochen. Ich ging also mit dem Tablett, dem leeren, aber nicht zerbrochenen Glas und meiner nassen Hose zurück zur Theke und erklärte dem Barkeeper mit Tränen in den Augen, was mir widerfahren war. Obwohl es mir vorkam, als würden er und ich nicht das beste Verhältnis haben- es können nun mal nicht alle beste Freunde werden- knurrte er nur:,,Na, zumindest war es alkoholfrei'' und ersparte mir somit eine Standpauke. 

Im Vorbeigehen hatte der Koch öfters angemerkt:,,Komm zu mir in die Küche! Da gibt es immer was zu tun und es ist nicht so stressig.'' Ich dachte immer, er würde nur scherzen, doch eines Tages, ich war gerade dabei einen Tisch abzuräumen, kamen er und eine Kellnerin und fragten mich, was ich denn davon halten würde, mein Glück in der Küche auszuprobieren, da ich scheinbar nicht zum Kellnern geboren bin. In diesem Moment war ich überglücklich, dass mir dieses Angebot gemacht worden ist und ging mit dem Koch in die Küche. Meine Aufgabe: Kartoffeln schälen. Neben mir, arbeitete bereits seit mehr als einem drei viertel Jahr ein weiterer Küchenhelfer, sowie eine ältere Frau in der Küche, die für den Abwasch verantwortlich war. Der Küchenhelfer hätte zu Beginn auch nur Kartoffeln und anderes Gemüse geschält und den Abwasch gemacht und würde nun auch selbstständig das Kochen übernehmen, erzählte mir der Koch und ich schwärmte bereits, wie auch ich in einiger Zeit für das Essen im Restaurant verantwortlich sein würde. Doch so weit kam es nicht. Mein größtes Gericht war ein Salat und meine Hauptaufgabe die Spülmaschine. Manchmal schnitt ich Zwiebeln, oder anderes Gemüse klein und wenn mal zu viele Gäste auf zu wenige Kellner da waren, dann sprang ich wieder als Kellnerin ein. Obwohl meine Aufgaben nicht sonderlich spektakulär waren und es in der Küche wirklich eng und stickig war, war ich glücklich einen Nebenjob zu haben. 

Im Spätsommer dann übernahm der Koch das Restaurant und war nun für alle Kosten verantwortlich. Entweder er sagt mir ab, oder ich sage ihm ab. Ich spielte schon lange mit dem Gedanken zu kündigen, da mich das Kellnern bzw mein Aushilfsjob in der Küche zu sehr belasteten. Neben der bereits oben angesprochenen Atmosphäre, die wie mir mitgeteilt wurde, in jedem Restaurant so ruppig sei, schmerzten meine Beine enorm und ich empfand gar keine Freude mehr an meiner Arbeit. Doch der Koch kam mir voraus: Er teilte mir mit es gäbe nicht mehr genügend Arbeit, die ich erledigen könnte und wünschte mir noch alles gute. 

Nichtsdestotrotz denke ich gerne an meine Zeit als Kellnerin zurück und kann über die oben erwähnten Vorfälle bereits guten Gewissens schmunzeln. Ich bin froh, dass ich gekellnert habe. Nun begegne ich jedem Kellner im Restaurant mit wesentlich mehr Respekt, als ich es vorher tat. Die Leute leisten unglaubliche Arbeit und wer hauptberuflich Kellner wird: Hut ab, das ist definitiv nicht für jeden etwas. 



Schlussendlich kann ich nur noch sagen: Probiert es aus, wenn euch die Gelegenheit dazu geboten wird. Ihr werdet zumindest ein paar wertvolle Erfahrungen sammeln, die euch dazu ermutigen werden, sich in der Schule mehr anzustrengen, um den Beruf ausüben zu dürfen, den man auch wirklich ausüben will. 

Liebe Grüße, Julia! 

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